In einem Artikel über die eher durchwachsene Wetterlage derzeit und deren Auswirkungen auf die Frankfurter Apfelweinwirte publizierte die FAZ jüngst folgendes Zitat des Vereinsvorsitzenden:
„Das Wetter ist für die Äpfelweinwirte mit Sommergarten eine Katastrophe“, sagt Peter Häfner, Vorsitzender der Vereinigung der Äpfelweinwirte … Im Vergleich zum vorigen Jahr habe man im Mai 30 Prozent weniger Umsatz erwirtschaftet, meint er. „Das holen Sie nicht mehr auf. Und an den Juni mag ich gar nicht denken.“Der komplette Artikel hier.
In einem interessanten Artikel über die Ausbreitung der Lepra in Europa in der Süddeutschen Zeitung vom Tage erklärt Katrin Blawat, warum die Klappergasse im Frankfurter Stadteil Sachsenhausen ihren Namen trägt:
Im Mittelalter klang sie (die Klappergass´) nach Siechtum und Leid. Leprakranke waren damals in den Straßen verpflichtet, vor sich selbst zu warnen: “Achtung, hier kommt ein Aussätziger”. Damit das jeder mitbekam, mussten die Kranken Schellen, Glocken und Ratschen mit sich tragen. Deren Gebimmel und Geklapper gab der Klappergasse ihren Namen.
Hier der komplette Artikel.
Um das einzig Negative gleich vorne weg zu sagen: Das Etikett ist gut gemeint. Pardon, aber da bestünde wirklich noch Nachholbedarf. Auch, den Apfelwein nicht als sortenrein, sondern als sortenfein zu bezeichnen: Autsch! Aber bitte, Vergebung! Les gouts et les couleurs, on ne discute pas! Ansonsten ist dieser Jahrgangsapfelwein aus dem Jahr 2012 für uns eine Wucht.
Die Kelterei Herberth ist eine in der Tradition verwurzelte Kelterei in Kronberg im Taunus, die sich aber offenbar auch neuen Strömungen zu öffnen weiß. Im Herbst liefern zahlreiche Streuobstwiesenbesitzer Äpfel ab, die neben den Äpfeln der eigenen Obstwiesen für die Produktion der Herberth-Apfelweine dienen. Natürlich wird auch manches Obst zugekauft – nicht nur die Braeburn-Äpfel, aus denen dieser wunderbare, ganz eigenständige Apfelwein gekeltert wird und die natürlich noch nicht in der für die Menge dieser Produktion benötigten Menge auf heimischen Streuobstwiesen wachsen. Wer weiß, was in 50 Jahren ist.
Als erstes fällt die schöne Farbe dieses Apfelweins auf. Schimmert das leicht rotgold? Die zugesetzte Kohlensäure bildet beim Ausschenken eine Schaumkrone, die ebenso schnell verschwindet wie sie sich gebildet hat. Die kleinen Bläschen der Kohlensäure verleihen dem Apfelwein eine zusätzliche Frische, heute ist das Zufügen von Co2 bei vielen Apfelweinen die Regel. Hier ist es fein abgestimmt geschehen.
Die Nase nimmt am stärksten die kräftigen Aromen von reifer Grapefruit wahr, auch schwarze Johannisbeere. Im Mund wiederholt sich dieser Eindruck, es kommen noch Stachelbeeren dazu, exotische Fruchtaromen, auch ganz reifer Pfirsich, und eine das ganze wunderbar stützende und hebende Säure. Die Herberths haben es geschafft, das gute Niveau ihres 2011er-Braeburn mit diesem hier noch zu verbessern. Wer die mitunter uninteressant bappig, schwer und parfümiert schmeckenden Äpfel dieser Sorte aus dem Supermarkt kennt, wird überrascht sein, wozu ein Braeburn – und ein Apfelweinmacher, der etwas von seinem Beruf versteht – in der Lage ist. Wir verkaufen diesen großartigen Apfelwein im Apfelweinkontor. 6 vol%!
Am Donnerstag, 13.6.2013, verkosten wir ab 19.30 Uhr eine Auswahl europäischer Apfelweine aus Großbritannien, der Schweiz, Österreich, Spanien und Frankreich, ein paar Birnenweine werden auch darunter sein. Dazu reichen wir Kleinigkeiten zum Essen. Es sind noch Plätze frei! Kostenbeitrag pP: 25 EUR. Anmeldung unter 069 90 75 61 00 oder post@apfelweinkontor.de
Jörg Stier hat im Kaufhaus Hessen sein neues Buch “Vom Apfel zum Wein” vorgestellt, er hält es in der linken Hand. In der Rechten hält er eine Flasche des neuesten Apfelweins aus der Kelterei Stier, MAIN APFELWEIN, Streuobst mit rund 60% Goldparmäne. Seit Jörg Stier das Kelterhandwerk aufgegeben hat und seine Söhne Marco und Laurin die Kelter- und Kellerarbeit leisten, hat er wieder mehr Zeit, Bücher zu schreiben. Buchbesprechung folgt.
Die Eberesche (Sorbus aucuparia, auch als Vogelbeere bekannt) ist ein Baum, der an vielen Straßenrändern und entlang von Wegen zu finden ist. Sie kann gut 80 Jahre alt werden. Ihre Früchte sind nicht nur nicht giftig, sondern können auch zu schmackhaften Konfitüren etc. verarbeitet werden – falls man schnell genug erntet, bevor die Vögel sich über die Bäume hermachen. Die Bedeutung der Eberesche für die Apfelweinbereitung ist heute recht gering. Wer sie für die Apfelweinbereitung verwenden möchte, kommt mit einer kleinen Menge aus; Jörg Stier, einer der wenigen Kelterer, die die Frucht noch verwenden, wenn nicht der einzige, nennt eine Menge, die in eine Kinderhand passt, ausreichend für 100 Liter Apfelwein. Die gewaschenen Beeren werden direkt in den werdenden Wein gegeben. Damit die Früchte den Apfelwein mit Säuren und Gerbstoffen versehen und ihm damit Rückgrat und Stabilität verleihen können, sollten sie vor dem ersten Frost geerntet werden. Danach bauen sich Säure und Gerbstoffe ab. Aber da die Früchte in der Regel bereits im September reif sind, sollte das kein Problem sein. In Baumschulen kann man heute auch die sogenannte Mährische oder Aroma-Eberesche kaufen (Sorbus aucuparia var. edulis), deren Früchte sollen durch mehr Süße eher zum Verzehr einladen. Auch so mancher Edelbrenner greift für die Herstellung von Ebereschenbränden eher auf diese Variante zurück. Das Blatt der Eberesche ist übrigens auch essbar! Wer es etwas länger kaut, schmeckt bald dessen Süße und das marzipanähnliche Aroma.
Unter dem Titel “Vom Reichsapfel zum Apfelwein” bietet der Stadtführer Mikael Horstmann verschiedene kulinarische Stadtführungen durch Frankfurt an.
Wir empfehlen & zitieren von seiner Webseite:
Ja, Frankfurt liegt im Rheingau, weintechnisch gesehen. Aber die Paar Flaschen vom Lohrberg löschen den Durst der Frankfurter nicht. Der Apfelwein ist wie Karl ein wahrer Europäer. Und Frankfurt ist die European Cider Capital.
Ein zweieinhalbstündiger Spaziergang, der eine Apfelweinverkostung mit einschließt.
Preis: 20 Euro pro Person (12 Euro für die Führung, 8 Euro für Verkostungen)
Maximal 8 Teilnehmer.
Dauer: Spaziergang 2,5 Stunden, inklusive Verkostung
Sprache: Deutsch
Startpunkt: Wendelsplatz, Straßenecke Kranichsteiner Straße / Darmstädter Landstraße (am Carolus-Brunnen)
Stadtteile: Sachsenhausen, Altstadt
Der nächste Termin für die Apfelwein-Führung durch Frankfurt ist Samstag, der 15.6.2013, 15 uhr. Weitere Informationen und Buchung hier.
Der Verband der deutschen Fruchtwein- und Fruchtschaumwein-Industrie e.V. (VdFw) vermeldet, dass es im letzten Jahr einen deutlichen Zuwach im Apfelwein- und Fruchtweinkonsum gab: Im Vergleich zu 2011 sollen es 4,2 Prozent mehr gewesen sein, die getrunken worden sind; das ergäbe eine Steigerung von 72 Millionen Liter auf über 75 Millionen Liter. Das klingt imposant. Zwar lässt der Verband wissen, dass die Branche das Plus insbesondere der Absatzentwicklung bei klassischem Apfelwein und innovativen Getränken auf Apfel- und Fruchtwein-Basis verdanke. Apfelwein als begehrtes Getränk der Mehrheit? Das wäre zu schön. Die Zahlen, die jüngst in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gemeldet wurden, klingen da aber weit nüchterner: 2006 waren es demnach 36 Millionen Liter, 2011 lediglich 28,3 Millionen Liter, 2012 33 Millionen Liter. Der deutschlandweite Pro-Kopf-Verbrauch liegt der Meldung zufolge bei weit weniger als einem Liter/Jahr.
Mehr darüber hier.
Die Blüte der Quitte (Cydonia oblonga) ist beinahe noch schöner als die der Äpfel. Der Blütenkelch ist größer, er ist ähnlich rosa gefärbt, nur ganz leicht. Für die Apfelweinbereitung hat die Quitte eine gewisse Bedeutung, sie hat einen recht hohen Säuregehalt, diese Säure stabilisiert den Apfelwein und schützt ihn vor bakteriellem Befall. Damit steht sie mit Schlehe, Speierling und Eberesche in einer Reihe. Außerdem gibt sie dem Apfelwein das typische Quittenaroma mit. Der eine liebt´s, der andere nicht; die Quitte polarisiert. Mittlerweile gibt es eine Fülle von Apfelweinen, die mit Quittenzusatz hergestellt wurden, eigentlich müsste man sie alle der Reihe nach probieren.
In einem fast ganzseitigen Artikel hat FAZ-Autorin Jacqueline Vogt sich jüngst den Forderungen nach einem Apfelweinmuseum in der Frankfurter Altstadt gewidmet. Sie berichtet von den Bestrebungen der Initiatoren, dem Trägerverein Deutsches Apfelweinmuseum e.V., der das Museum in prominenter Lage in der neuen Frankfurter Altstadt errichten möchte, mit Kompetenzzentrum, Raum für internationale Symposien, Restaurant, in dem auf Apfelwein abgestimmte Speisen angeboten werden könnten, et cetera. Der Haken an den Plänen des Trägervereins ist, dass die DomRömer GmbH, verantwortlich für den Bau der neuen Frankfurter Altstadt, in ihren Bebauungsplänen keinen Platz für das Apfelweinmuseum vorsieht, das strittige Haus soll als Wohnhaus genutzt werden. Und dass die Frankfurter Stadtregierung die Museums-Pläne trotz klammer Kassen unterstützt und das Museum durchsetzt, gilt allgemein als unwahrscheinlich. Ein weiteres Problem ist die Finanzierung des gewünschten Hauses, das wohl mehr als 3 Mio. Euro kosten würde. Ohne private Investoren wäre das nicht zu stemmen. Weiterführendes hier.
In ihrem Artikel hat Autorin Vogt ein weiteres Thema an den Schluss des Textes gesetzt. Es geht um “Apfelwein im Römer”, die Jahrgangspräsentation, die seit fünf Jahren jeweils im Frühjahr die aktuellen Apfelweine hessicher und internationaler Keltereien feiert. Die Aussichten für eine Fortsetzung der Messe sind derzeit nicht besonders rosig. Zitat aus dem Artikel: “Womöglich aufhören wollen unterdessen Andreas Schneider und Michael Stöckl; nicht mit dem Apfelwein, aber mit der Apfelwein-Messe. Für die … Veranstaltung hatten die beiden eine eigene Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet … Die Veranstalter zahlen für den Veranstaltungsort Miete, die Aussteller zahlen Standgebühren, das Publikum zahlt Eintritt … Subventioniert worden sei da nie, sagen Schneider und Stöckl. Indirekt hat die Stadt Frankfurt die Veranstaltung unterstützt. Die Miete für die Römerhallen sei bis 2012 mit 2600 Euro günstig gewesen, so Schneider, sei dieses Jahr erheblich höher geworden und werde 2014 “nicht mehr zu bezahlen” sein: 12 225 Euro solle sie dann betragen, was einer Erhöhung um 370 Prozent in drei Jahren entspräche …” Über die Gründe der Mieterhöhung kann nun kräftig spekuliert werden. Ein Weg aus der Misere ist sicherlich nicht einfach zu finden, die Erhöhung des Eintrittspreises oder der Standgebühren für Aussteller wird eher keine Lösung sein. Es wäre jedenfalls elend schade, wenn diese Apfelwein-Messe keine Fortsetzung fände.
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